# Meinen Zettelkasten fit für KI-Agenten machen _28. Juni 2026_ #obsidian #ki #zettelkasten #claudecode Ich nutze [[Obsidian]] als persönliches Wissenssystem — einen sogenannten [[Digitaler Zettelkasten|Zettelkasten]]. Darin landen Notizen, Ideen, Artikel-Entwürfe, Podcast-Planungen, Buchzusammenfassungen. Alles in Markdown-Dateien, miteinander verlinkt, in einer Ordnerstruktur, die über Jahre gewachsen ist. Seit einiger Zeit arbeite ich darin auch mit KI-Agenten — das sind KI-Werkzeuge wie Claude Code oder Codex, die nicht nur Fragen beantworten, sondern direkt in meinen Dateien lesen und schreiben können. Die Grundidee war schon da: Ich hatte erste [[Claude Code Skills|Skills]] gebaut, die Claude meinen Schreibstil beibringen. Aber das war punktuell. Es gab kein System dahinter. Kein Kontext-Setup, das einem Agenten zu Beginn erklärt, was hier passiert. Das wollte ich ändern. ![[Claude 1.jpg]] ### Das eigentliche Problem Früher hat Claude Code mir beim Schreiben eines Artikels mal eine Formulierung vorgeschlagen, die klingt wie eine Pressemitteilung. Sachlich korrekt, aber nicht mein Ton. Oder er hat eine Datei in einem Ordner abgelegt, der für etwas anderes gedacht ist — weil er die Struktur nicht kannte. Kleine Fehler, die zeigen: Der Agent arbeitet, aber er rät. Das liegt nicht am Werkzeug. Es liegt am fehlenden Kontext. Ein KI-Agent übernimmt echte Aufgaben — Artikel schreiben, Notizen strukturieren, Informationen zusammenführen. Damit das funktioniert, braucht er Kontext, genauso wie ein neuer Mitarbeiter am ersten Tag nicht sofort produktiv ist, weil er die Abläufe noch nicht kennt. Mein Vault hatte keine systematische Einführung für Agenten. Das war der Punkt, an dem ich angefangen habe, das grundlegend anders zu machen. ### Was ich gebaut habe **Kontext-Dateien als Wissensbasis** Der erste Schritt war ein Ordner mit Dokumenten, die alles beschreiben, was ein Agent wissen muss — ganz normale Textdateien, nicht für Menschen gedacht, sondern als strukturierte Referenz: - Wer ich bin, was ich mache, wie ich denke - Wie der Vault aufgebaut ist: Ordner, Konventionen, Dateinamen-Muster - Mein Schreibstil für Blogartikel: Ton, verbotene Formulierungen, Satzrhythmus - Wie ein Agent mit mir umgehen soll: wann nachfragen, wann entscheiden, wann aufhören Nichts davon ist geheimes Wissen. Es ist das, was ein guter Mitarbeiter nach einem Monat kennen würde — nur aufgeschrieben, damit ein Agent es beim Start lesen kann. **Steuerdateien als Einstiegspunkt** Claude Code liest beim Start automatisch eine Textdatei namens `CLAUDE.md` — die ist jetzt der Einstiegspunkt für jede Session: Was gibt es hier? Was soll der Agent zuerst lesen? Welche Aufgaben gibt es? Parallel dazu gibt es eine `AGENTS.md` mit Grundregeln, die für alle Agenten gelten. Ich nutze neben Claude Code auch Codex, einen KI-Agenten von OpenAI, der ähnlich funktioniert. Der entscheidende Vorteil: Die Kontext-Dateien sind dieselben. Ein neues Werkzeug muss nicht von Grund auf neu eingerichtet werden — es liest dieselbe Wissensbasis und kann sofort loslegen. Ein Agent, der weiß, wo er anfangen soll, macht weniger Fehler als einer, der rät. **Skills als wiederverwendbare Aufgaben-Prompts** Das Konzept der [[Claude Code Skills|Skills]] war schon vorhanden — ich habe es jetzt konsequenter ausgebaut. Ein Skill ist eine Textdatei, die eine Aufgabe beschreibt. Ich rufe sie mit einem kurzen Befehl auf — zum Beispiel `/schreibstil-blog` — und Claude Code liest die Beschreibung und arbeitet danach. Drei neue Skills sind dazugekommen: - `/session-note` — schreibt am Ende einer Arbeitseinheit eine strukturierte Notiz, was entschieden und geändert wurde - `/memory-update` — liest die letzten Wochen durch und aktualisiert einen Kurzüberblick, was gerade aktuell ist - `/schreibstil-blog` — schreibt oder überarbeitet Artikel in meinem Stil Das Prinzip: eine Aufgabe einmal sauber beschreiben, nicht bei jedem Gespräch neu erklären. **Zweistufiges Gedächtnis** Hier habe ich am längsten überlegt. Das Ergebnis ist eine klare Trennung: - Eine Datei im Vault hält fest, was gerade inhaltlich aktuell ist: Welche Projekte laufen? Was wurde zuletzt entschieden? Was ist offen? - Ein separater Ordner außerhalb des Vaults hält fest, wie Claude Code arbeiten soll: Was hat gut funktioniert, was nicht? Welche Vorlieben hat Maik? Inhalte gehören in den Vault. Arbeitsweise gehört in das Tool. Wenn beides vermischt wird, verliert man schnell den Überblick. ### Was dabei schwieriger war als gedacht Der Schreibstil-Teil. Nicht, weil es schwer wäre, ihn zu beschreiben — sondern weil ich erst beim Aufschreiben gemerkt habe, wie viel implizit war. „Kein Marketing-Ton" ist keine Anweisung, mit der ein Agent etwas anfangen kann. Erst mit konkreten Verbotslisten — bestimmte Füllwörter, bestimmte Satzmuster, bestimmte Strukturen — wurde es verwendbar. Das Gleiche gilt für die Vault-Konventionen: Ich kannte sie. Aufgeschrieben wirken manche zunächst beliebig, bis man den Grund dahinter erklärt. Der Aufwand für das Aufschreiben sitzt am Anfang. Danach zahlt er sich pro Aufgabe aus. ### Was jetzt anders ist Jede neue Session beginnt mit Kontext statt mit Orientierungsarbeit. Der Agent weiß, was hier passiert, wie ich schreibe, was er lesen soll. Ein Artikel in meinem Stil entsteht jetzt ohne Nachkorrekturen am Ton. Dateien landen im richtigen Ordner. Das ist kein dramatischer Unterschied — aber ein merklicher. Und es hat einen Nebeneffekt, den ich unterschätzt hatte: Ich kenne meinen eigenen Vault jetzt besser. Das Aufschreiben hat mich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die vorher vage waren. ### Was ich gelernt habe - Kontext ist die Voraussetzung, keine Kür. Ein Agent ohne Kontext rät — und das merkt man. - Anfangen mit dem Minimum: Wer bin ich? Wie ist das System aufgebaut? Was ist gerade aktuell? - Schreibstil muss konkret beschrieben sein, nicht nur benannt. Verbotslisten helfen mehr als Adjektive. - Inhalte und Arbeitsweise getrennt halten — beides braucht seinen eigenen Platz. - Das Aufschreiben lohnt sich — auch für das eigene Verständnis des Systems. ### Nächster Schritt Ich baue das Setup jetzt für konkrete Projekte weiter aus. Der erste Test war überzeugend: Eine größere Planungsaufgabe, die sonst viel Briefing gebraucht hätte, lief in einem Bruchteil der Zeit — weil der Agent den Kontext hatte, in dem das Projekt stattfindet. _Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt._ ### Weitere Artikel - [[Claude Code Skills]] - [[Digitaler Zettelkasten]] - [[Obsidian]]