# Ein Logo, das nur alle zehn Minuten erscheint
_26. August 2026_
#3ddruck #obsidian #homeassistant
Seit ein paar Tagen steht hinter mir ein violetter Stein. In meinen Videocalls ist er fast immer im Hintergrund zu sehen. Er dreht sich so langsam, dass die Bewegung kaum auffällt. Einmal in zehn Minuten steht er genau richtig. Dann wird aus seinen Bruchflächen für einen kurzen Moment das Logo von [[Obsidian]].
Die restliche Zeit ist er einfach ein Stein.
![[Obsidian Stein 1.jpg]]
### Vom Icon zum Gegenstand
Obsidian ist seit Jahren meine Lieblings-App, und ich bin da durchaus Fanboy. Als das Team im Juni 2023 sein neues Icon vorgestellt hat, fand ich es zunächst nicht besonders gelungen. Inzwischen mag ich es gerade deshalb, weil es nicht wie ein typisches Softwarelogo aussieht.
Die Form ist dem Material entlehnt, nach dem die App benannt ist. Obsidian ist vulkanisches Glas. Es entsteht, wenn meist kieselsäurereiche Lava so schnell abkühlt, dass Kristalle kaum Zeit haben zu wachsen. Das Ergebnis ist häufig tiefschwarz, glasartig und scharfkantig gebrochen. Im Icon wurde daraus ein violetter, facettierter Körper.
Obsidian selbst beschreibt das Symbol auch als Erinnerung an die Werkzeuge, die Menschen seit Jahrtausenden aus dem Gestein hergestellt haben. Mich interessierte allerdings zuerst eine andere Frage: Lässt sich aus diesem gezeichneten Stein ein echter Gegenstand machen?
Ich wollte keine flache Plakette für die Wand, sondern einen räumlichen Stein für den Hintergrund meiner Videocalls. Nur aus einer bestimmten Richtung sollte er wie das Logo aussehen. Von der Seite und von hinten durfte er ruhig wie ein unregelmäßig abgebrochener Brocken wirken.
### Mehrere Wege zu einem Stein
Mein erster Ansatz begann mit der offiziellen SVG-Datei. Aus der Silhouette und den vier Facetten entstand ein eigener, druckbarer Körper. Später übertrug ich die Konturen als DXF nach [[Onshape]], damit ich die einzelnen Flächen dort weiterbearbeiten konnte. Technisch funktionierte das. Der Stein war geschlossen, stand sicher und ließ sich drucken.
Im Modell zeigte sich aber auch die eigentliche Schwierigkeit. Auf dem Bildschirm entstehen die hellen und dunklen Bereiche des Logos durch gezeichnete Verläufe. Ein einfarbig gedruckter Körper hat nur seine Flächen, deren Winkel und das Licht im Raum. Mein Entwurf sah deshalb wie ein facettierter Kristall aus, aber noch nicht wie der gebrochene Stein, den ich im Kopf hatte.
Parallel probierte ich KI-Dienste aus, die aus einem Bild ein 3D-Modell erzeugen. Bei Tripo kam eine Form heraus, die meiner Vorstellung näherkam. Herunterladen konnte ich sie nicht: Die verwendete Modellversion verlangte einen Bezahlzugang, und für den Umweg über eine ältere Version fehlten mir ausgerechnet fünf Credits. Dafür wollte ich kein Abo abschließen.
Dann entdeckte ich auf YouTube das Reel einer 3D-Künstlerin. Sie hatte einen Obsidian-Stein modelliert, der aus einer Richtung das Logo zeigte und aus den anderen wie ein unregelmäßiger Fels aussah. Ich schrieb ihr und fragte, ob sie mir die Datei für mein Projekt überlassen würde. Kurz darauf schickte sie mir das Highpoly-Modell.
Nach der Umwandlung war die Geometrie geschlossen und druckbar. Das Modell werde ich nicht selbst zum Download anbieten. Die Form stammt von ihr, das Logo von Obsidian, und beides möchte ich nicht einfach weiterverteilen.
### Was Farbe im Raum bedeutet
Am 20. August kam der erste Prototyp aus meinem [[3D-Druck|Bambu Lab X2D]]. Orange ist meine Lieblingsfarbe für Prototypen, besonders wenn die spätere Farbe noch nicht feststeht oder ich den Testdruck bewusst auffällig haben möchte. Auf einem kleinen provisorischen Halter konnte ich die Form erst einmal in Ruhe beurteilen. Sie funktionierte sofort.
Für die endgültige Version verglich ich die verfügbaren Violetttöne mit der Farbe des Logos. Zur Wahl standen ein glänzendes Silk-Filament, das je nach Blickwinkel zwischen Violett und Blau wechselt, und das ruhigere PLA Basic Lila. Das Silk-Filament hätte die Facetten stark betont. Das Basic Lila lag farblich näher am Original, deshalb bestellte ich es bewusst bei Bambu Lab für diesen Druck.
Ich entschied mich für das gedecktere Lila. Die vier Flächen hätte ich auch in unterschiedlichen Farbtönen drucken können, um den Bildschirmverlauf nachzubauen. Ich wollte aber einen Stein und keine dreidimensionale App-Kachel. Den Wechsel zwischen Hell und Dunkel sollten die Winkel der Flächen und das reale Licht übernehmen.
### Eine Umdrehung pro Stunde
Mit dem fertigen Druck wurde die nächste Idee konkreter: Der Stein sollte sich so langsam drehen, dass das Logo im Laufe der Zeit auftaucht und wieder verschwindet. Meine erste Vorstellung war eine vollständige Umdrehung pro Stunde. Einen kleinen Motor, der direkt so langsam läuft, fand ich nicht. Deshalb nahm ich einen Schrittmotor mit Treiberplatine und einen ESP32, den gleichen Mikrocontroller, der auch in meinem [[Mini-Macro-Pad|Macro-Pad]] steckt.
Den runden Sockel und den Adapter zwischen Motorachse und Drehteller konstruierte ich in [[Onshape]]. Den Code für die Motorsteuerung ließ ich mir aus einem Prompt erstellen. Die Kabel musste ich trotzdem selbst löten. Das gehört weiterhin nicht zu meinen Lieblingsarbeiten.
![[Obsidian Stein 3.jpg]]
Beim ersten Test drehte sich die Achse tatsächlich, nur deutlich zu schnell. Ich erhöhte die Pause zwischen den einzelnen Motorschritten, markierte die Achse und stoppte die Zeit für eine vollständige Umdrehung. Danach passte ich den Wert erneut an. So näherte ich mich erst dreißig Minuten und schließlich zehn Minuten pro Runde.
Die ursprünglich geplante Stunde wirkte im Raum zu langsam. Der Stein blieb so lange nahezu unverändert, dass der Effekt verloren ging. Bei zehn Minuten ist die Bewegung selbst kaum zu erkennen, die veränderte Position aber schon. Das Logo erscheint regelmäßig, ohne dass der Aufbau wie ein Drehteller im Schaufenster wirkt.
Zehn Minuten habe ich nicht ausgerechnet. Ich habe sie am fertigen Objekt gefunden.
### Ein Platz im Alltag
Zwei kleine warmweiße LED-Spots beleuchten den Stein von vorn. Motor und Licht hängen gemeinsam an einer Zigbee-Steckdose. [[Home Assistant]] schaltet den Aufbau werktags um 7 Uhr ein und um 22 Uhr wieder aus. Die kleine Automation ließ ich mir als Code erstellen und prüfte sie anschließend in der grafischen Ansicht.
Seitdem beginnt der Stein morgens, sich zu drehen. Die meiste Zeit zeigt er irgendeine seiner unregelmäßigen Seiten. Einmal pro Umdrehung treffen Form, Blickwinkel und Licht zusammen, und das Obsidian-Logo wird sichtbar.
Interessant waren für mich vor allem die Entscheidungen, die erst am echten Objekt möglich wurden. Der erste eigene Entwurf war geometrisch sauber, wirkte aber noch nicht richtig. Auch die Umdrehung pro Stunde klang am Schreibtisch gut, erwies sich im Raum jedoch als zu langsam.
Normalerweise konstruiere und drucke ich am liebsten funktionale Teile. Genau dafür habe ich mir einen 3D-Drucker gekauft. Der Obsidian-Stein ist eine der gelegentlichen Ausnahmen, die Christian im Podcast gern als Klimbim bezeichnet. Diesmal kann ich ihm nicht einmal widersprechen. Der Stein löst kein Problem. Er steht hinter mir, dreht sich fast unmerklich und erfreut mich jeden Tag.
![[Obsidian Stein 2.jpg]]
## Quellen
- [The new Obsidian icon – Obsidian](https://obsidian.md/blog/new-obsidian-icon/)
- [Volcano Hazards Program Glossary: Obsidian – U.S. Geological Survey](https://www.usgs.gov/glossary/volcano-hazards-program-glossary)
_Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt._
### Weitere Artikel
- [[Obsidian]]
- [[3D-Druck]]
- [[Onshape]]
- [[Home Assistant]]
- [[Mini-Macro-Pad]]