# Ein HDMI-Switch, den man nie mehr anfassen muss
_17. Juni 2026_
#smarthome #homeassistant #automation #3ddruck
Irgendwann war der [[Teleprompter PWA|Teleprompter]] fertig. Gehäuse, Spiegel, App, Fernsteuerung — alles da. Und dann habe ich ihn umgebaut.
Die Smartphone-Variante funktioniert nach wie vor gut. Aber ich wollte eine zweite Option: ein kleines HDMI-Display direkt im Gehäuse, das sich per Kabel von Mac oder PC ansteuern lässt. Was das Gerät ausgibt, erscheint auf dem Display — also auch der Browser mit der Teleprompter-App, ganz normal. Der Unterschied zur Smartphone-Lösung ist schlicht: Das Display bekommt sein Bild über ein Kabel. Damit kam ein neues Problem: Wenn ich zwischen zwei Geräten wechseln will, muss ich den HDMI-Stecker umstecken. Das war mir zu umständlich.
![[HDMI-Switcher 1.png]]
### Der HDMI-Switcher und seine Grenzen
Ich habe nach HDMI-Switchern gesucht — kleine Kästchen, die mehrere Eingänge auf einen Ausgang routen. Was ich gefunden habe, waren günstige Geräte mit einem Taster. Manuell umschalten, per Tastendruck. Zehn Euro, gut verarbeitet — und genau ein Taster.
Ich wollte das vom Stream Deck aus steuern. Über [[Home Assistant]]. Das geht mit einem Taster nicht. Also habe ich darüber nachgedacht, wie man das ändern kann, ohne den Switch zu ersetzen oder seine Firmware anzufassen.
### Die Idee: kein Eingriff, nur Simulation
Der Switch kam in einem eigenen Kunststoffgehäuse. Das habe ich entfernt — nur die nackte Platine zieht weiter ins Projekt. Auf der Platine sitzt ein kleiner Taster. Unscheinbar, aber funktional entscheidend: wer ihn drückt, wechselt den aktiven Eingang. Was, wenn ich diesen Tastendruck elektrisch simuliere?
Ein ESP32 mit [[ESPHome]] verbindet sich mit Home Assistant. Ein Relais sitzt zwischen ESP32 und dem Taster-Pin des Switches. Wenn Home Assistant den Button drückt, zieht das Relais kurz an — 300 Millisekunden — und lässt dann wieder los. Für den Switch ist das identisch mit einem manuellen Tastendruck.
Der Vorteil: Der Switch selbst bleibt unverändert. Alle originalen Funktionen bleiben erhalten. Der ESP32 ist nur ein zusätzlicher elektrischer Finger.
### Zum ersten Mal: messen
Hier wurde es für mich neu. Ich hatte kein Multimeter. Also habe ich eines bestellt. Und dann zum ersten Mal wirklich durchgemessen — Durchgang, Spannung, Tasterlogik verstehen. Was passiert an den Pins, wenn der Taster nicht gedrückt ist? Was passiert, wenn er gedrückt ist?
Das Ergebnis war eindeutig: Der Taster hat zwei Seiten. Die eine liegt im Ruhezustand auf 5 Volt, gezogen über einen Pull-Up. Die andere liegt auf Masse. Wenn der Taster gedrückt wird, verbindet er beide Seiten — das Signal fällt kurz auf 0 Volt.
Das war die Information, die ich brauchte. Ohne diese Messung hätte ich geraten. Und ohne KI-Unterstützung hätte ich es auch nie verstanden...
### Der erste Fehlversuch
Ich habe versucht, Pin 1 direkt mit Masse zu verbinden. Ein kurzer Draht, ein kurzer Test. Der Switch reagierte nicht. Die LED ging aus. Neustart erforderlich. Ein direkter Kurzschluss zwischen Signal und Masse ist nicht dasselbe wie ein Tastendruck. Der Eingang wird zu hart nach Masse gezogen. Der Switch mag das nicht.
Die Lösung war ein Widerstand in Reihe. Das Signal wird sanft nach Masse gezogen, nicht hart kurzgeschlossen. Danach hat es sofort funktioniert. Ein Widerstand statt blankem Draht — daran hing das ganze Projekt.
### Zum ersten Mal: elektrisch löten
Ich habe einen Lötkolben. Bisher habe ich damit ausschließlich Heat-Set-Inserts in [[3D-Druck]]-Teile eingebracht — Gewindeeinsätze, kein Elektronik. Jetzt musste ich zwei dünne Kabel auf filigrane Taster-Pads einer Platine löten.
Das ist anders. Die Pads sind klein. Die Kabel sind dünn. Zu viel Hitze, und der Pad löst sich von der Platine. Ich habe es trotzdem hinbekommen. Das Zinn wollte anfangs nicht richtig fließen — ich habe dann auf ein anderes gewechselt, das ging besser. Schrumpfschlauch hatte ich nicht zur Hand, also habe ich die Lötstellen mit Klebeband isoliert. Nicht elegant, aber funktionsfähig.
Das Relais trennt ESP32 und Switch-Elektronik galvanisch voneinander. Der ESP32 steuert nur die Relaisspule. Der Relaiskontakt ist potenzialfrei — er schließt und öffnet, ohne dass die beiden Stromkreise sich berühren. Das ist wichtig: niemals GPIO direkt an fremde Elektronik anschließen.
### ESPHome und Home Assistant
Der ESP32 wurde mit [[ESPHome]] geflasht. Die Konfiguration ist überschaubar: ein GPIO-Pin steuert das Relais, ein Button-Template schaltet das Relais für 300 Millisekunden ein und dann wieder aus. In Home Assistant erscheint ein Button: „HDMI Switch umschalten".
Der Stream Deck triggert den Button per Webhook. Einmal drücken, einmal umschalten.
![[HDMI-Switcher 2.png]]
### Das Gehäuse und der missratene erste Druck
Die nackte Platine des Switches, das Relaismodul und der ESP32 — das alles hing erst einmal in der Luft. Nichts zum Anschrauben, nichts zum Befestigen. Also habe ich in [[Onshape]] von Grund auf neu angefangen: zuerst eine Grundplatte, auf der sich alles verschrauben lässt, dann das eigentliche Gehäuse drumherum. Zweiteilig, Lüftungsschlitze über dem ESP32, USB-C von außen erreichbar, alle HDMI-Anschlüsse frei zugänglich. Die Status-LED des ESP32 schimmert durch die Schlitze.
Dann der erste Druck auf dem [[Bambu Lab MakerWorld|Bambu Lab X2D]].
Die Grundplatte kam raus wie das Wattenmeer. Wellig, die Träger-Pins abgebrochen, komplett unbrauchbar. Ich habe kurz überlegt, was das sein könnte — und dann bemerkt, dass ich kurz vorher zum ersten Mal PETG gedruckt hatte. PETG kann Nozzles verstopfen. Die alte Nozzle war wohl nicht mehr sauber.
![[HDMI-Switcher 3.jpg]]
Also: Nozzle getauscht. Neu gedruckt. Diesmal sauber.
Das fertige Gehäuse sitzt jetzt irgendwo unter dem Schreibtisch. Zwei Kabel rein, ein Kabel raus. Ein Knopf auf dem Stream Deck.
### Was ich dabei gelernt habe
Das Wichtigste war die Messung. Ohne Multimeter, ohne zu verstehen, was der Taster auf der Platine eigentlich tut, wäre ich nie auf die richtige Schaltung gekommen — oder hätte so lange geraten, bis etwas kaputtgegangen wäre. Der direkte Kurzschluss hat das fast bewiesen: er sah logisch aus, hat aber den Switch lahmgelegt. Erst die Messung hat gezeigt, warum ein Widerstand in Reihe den Unterschied macht.
Beim Löten war es ähnlich: weniger ein technisches Problem als eine Frage des Respekts vor dem Material. Filigrane Pads auf einer fremden Platine verzeihen keine Ungeduld. Das falsche Lötzinn hat mich eine Weile aufgehalten — als ich gewechselt habe, lief es sofort besser.
Und der Wattenmeer-Druck hat mich daran erinnert, dass 3D-Druck-Probleme meistens mechanische Ursachen haben. Der Slicer war es nicht. Die Nozzle war es.
_Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt._
### Weitere Artikel
- [[Teleprompter PWA|Ein Teleprompter ohne App-Store]]
- [[ESPHome]]
- [[Home Assistant]]
- [[Onshape]]
- [[3D-Druck]]
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